zur Startseite
EnglischDeutsch
Startseite
Hydra
Unterwegs auf Hydra
Inhaltsverzeichnis
Karte der Insel Hydra
Vorwort...
Ein Wort an Hydras Kurzzeitbesucher
WANDERWEG  1
Herrenhäuser, „archontika”
Ausgrabungen in Chorisa
Die Seefahrer von Hydra
WANDERWEG  2
Koula erzählt über ihr Leben als Hirtin
WANDERWEG  3
Aus dem Leben eines Tischlers von Hydra
Ein Rezept für „Fava”
WANDERWEG  4
WANDERWEG  5
Giorgos, der Steinmetz
WANDERWEG  6
Das Kloster der Gottesgebärerin („Theotokou”)
Die „Albaner” auf Hydra
WANDERWEG  7
WANDERWEG  8
Iannis Gavalas über die Besonderheit von Vlychos und Episkopi
WANDERWEG  9
Die Drioper
Das Fest des Blühenden Mandelbaums
Lied des Blühenden Mandelbaums
WANDERWEG  10
„Kyria Maria von den Kerzen”
Iannis Gavalas über das Leben des Eselstreibers
WANDERWEG  11
WANDERWEG  12
Tassos und das Meer
Das Buch
Anna Barry
Kontakt

Koula erzählt über ihr Leben als Hirtin
Koula, die Frau des Hirten Christos, kommt den Abhang heraufgeklettert, hinter ihrer Herde von kaffeebraunen Ziegen. Sie bittet mich in ihr Einzimmer-Haus unterhalb vom Kloster des Propheten Elias: ein anheimelnder, farbenfroher Raum, gemütlich und praktisch eingerichtet und geschmückt mit Ikonen und einem Kanarienvogel. Während sie mir das traditionelle Tablett mit frischem Wasser, Mastixlikör und Loukoumi- Süßigkeiten serviert, erzählt Koula über ihr Leben als Hirtin auf Hydra.

„Wie ich Hirtin wurde? Meine gesamte Familie ist von altersher in diesem Geschäft, und so lebte ich damit und lernte von klein auf alle Einzelheiten. Meine Eltern haben immer noch eine große Herde in Palamidas, und die Familie meines Mannes stammt von der Südseite der Insel, von Klimaki. Ich habe dies Leben auf den Bergen mit den Tieren immer geliebt: besonders den Umgang mit unseren Ziegen, den Maultieren, Eseln, Pferden, Hunden und Hühnern. Das Schöne an unserer Arbeit ist die Verbundenheit mit der Natur und die Freiheit, unsere Arbeit selbst einzuteilen und uns gegenseitig zu helfen. Nur selten wird mir die Arbeit zu schwer oder das Wetter zu schlecht. Wir wandern mit unserer Herde, all unseren Tieren, mit unserem gesamten Hausstand samt Kanarienvogel je nach Jahreszeit an verschiedene Orte der Insel, um unseren Ziegen die besten Weideplätze zu bieten: im Winter sind wir zum Beispiel an der Südküste, die vor rauhen Winden geschützt ist; um Ostern beim Kloster des Propheten Elias, manchmal beim Kloster Zourvas. Wir mieten oder kaufen jeweils ein kleines Haus, das wir in dieser Zeit bewohnen. Wir besitzen etwa 400 Ziegen und 40 Böcke. Die Böcke führen auf einer kleinen, unbewohnten Insel, auf Stavronisi, ein Junggesellendasein und werden nur zur Paarungszeit im Mai mit dem Boot herübertransportiert. Die Schwangerschaft der Ziegen dauert 5 Monate, also werden die Zicklein im Oktober geboren. Wir lassen sie die Muttermilch trinken; nur wenn einige Tiere an den Feiertagen zu Weihnachten und Ostern geschlachtet werden, fangen wir an zu melken und Käse zu machen.


Ziegen werden im Schnitt 13 Jahre alt; die alten Tiere werden zum Fleischverzehr geschlachtet. Das macht normalerweise der Schlachter, aber manchmal tun wir es auch selbst für einen besonderen Kunden. Warum unsere Ziegen alle kaffeebraun sind? Meinem Mann Christos gefallen die am besten. Wir lieben jedes Einzelne unserer Tiere und rufen sie alle bei ihrem Namen.

Nein, ich habe nicht viel an Veränderungen erlebt während meiner Zeit: nicht hier oben in den Bergen und nicht in der Art, wie wir unsere Arbeit tun. Wir müssen alles mit der Hand erledigen: Maschinen sind uns zu nichts nütze. Wir leben gut, aber wir haben Mangel an Bargeld, und die Ausgaben für gekauftes Zusatzfutter für die hochschwangeren Ziegen sind enorm. Seit 1982 erhalten wir allerdings Zuschüsse von der EU, je nach Anzahl unserer Tiere.

Es ist ein schönes Leben hier oben. Mein Mann und ich, wir vermissen den Lärm und die Zerstreuungen der Stadt überhaupt nicht, aber die Jungen schon. Sie steigen aus. Selbst wenn meine beiden Söhne gern Hirten werden möchten, ist es für sie unmöglich, auf Hydra eine Frau zu finden, die bereit wäre, mit ihnen hier oben auf den Bergen zu leben. Ich sehe nicht, wie es weitergehen soll. Zur Zeit sind wir acht Hirten auf Hydra, und wir werden älter. Wer wird eines Tages unseren Platz einnehmen?”




« Zurück

» WANDERWEG  3

 Impressum