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Hydra
Unterwegs auf Hydra
Inhaltsverzeichnis
Karte der Insel Hydra
Vorwort...
Ein Wort an Hydras Kurzzeitbesucher
WANDERWEG  1
Herrenhäuser, „archontika”
Ausgrabungen in Chorisa
Die Seefahrer von Hydra
WANDERWEG  2
Koula erzählt über ihr Leben als Hirtin
WANDERWEG  3
Aus dem Leben eines Tischlers von Hydra
Ein Rezept für „Fava”
WANDERWEG  4
WANDERWEG  5
Giorgos, der Steinmetz
WANDERWEG  6
Das Kloster der Gottesgebärerin („Theotokou”)
Die „Albaner” auf Hydra
WANDERWEG  7
WANDERWEG  8
Iannis Gavalas über die Besonderheit von Vlychos und Episkopi
WANDERWEG  9
Die Drioper
Das Fest des Blühenden Mandelbaums
Lied des Blühenden Mandelbaums
WANDERWEG  10
„Kyria Maria von den Kerzen”
Iannis Gavalas über das Leben des Eselstreibers
Der Philosoph
WANDERWEG  11
WANDERWEG  12
Tassos und das Meer
Das Buch
Anna Barry
Kontakt

Iannis Gavalas über das Leben des Eselstreibers

Georgos, der Eselstreiber nach Feierabend
„Üblicherweise übernimmt ein Eselstreiber das Geschäft von seinem Vater oder einem anderen Verwandten, denn es wäre schwierig, so etwas ganz von vorn zu beginnen: zusätzlich zur Anschaffung und Pflege der Tiere, ihrer Ausbildung und ihrem Unterhalt hat der Eselstreiber das Problem ihrer Weide und Unterbringung.
Er muß mit allen Pfaden der Insel bis ins kleinste vertraut sein, und es ist heutzutage schwierig, Sattel zu finden: in Hermioni, gegenüber auf der Peloponnes, wohnt der letzte Sattler, der noch die traditionellen hölzernen Sattel für den Transport schwerer Güter anfertigt; ein junger Mann auf Hydra ist erst im Begriff, diesen Beruf zu lernen.

Eselskaravane auf der „donkey shit lane”

Ein Eselstreiber benötigt keine Lizenz zur Ausübung seines Berufes; er erklärt sein Einkommen und bezahlt die entsprechenden Steuern. Der Gewinn hängt von seinem eigenen Einsatz ab und kann beträchtlich sein. Der Transport eines Eimers voll Sand kostet 1,50 Euro; eine normale Ladung besteht aus 60 Eimern: da kommt schnell eine hohe Summe zusammen.
Im Sommer führen die Eselstreiber auch Touristen durch Hydra spazieren, aber dies ist nur ein kleiner Teil ihrer Arbeit.
Die Saumtiere werden für jeglichen Transport überall auf der Insel gebraucht: sie müssen Hotels und Geschäfte, Bars und Tavernen beliefern und weit vom Hafen entfernte Privathaushalte versorgen. Sie tragen die Koffer der Besucher, und sie bringen Baumaterial an die vielen verschiedenen Baustellen auf Hydra, auch entsorgen sie die dort anfallenden Erdmassen.
Oft sieht man Tiere mit enormen Lasten auf dem Rücken: von Gaspatronen, unförmigen Möbelstücken und elektrischen Geräten bis hin zu Ziegen und Schafen. Das Beladen eines Saumtiers und das Vertäuen der Fracht verlangt Können und Erfahrung: das Tier geht nur sicher, wenn die Last auf seinem Rücken gleichmäßig verteilt und festgebunden ist.
Der unerfahrene, mitleidige Tourist sieht die Lasten auf den Eselsrücken mit Schaudern, aber die Eselstreiber kennen und lieben ihre Tiere und werden sich hüten, sie zu überfordern.
Der Arbeitstag eines Eselstreibers ist lang und anstrengend: er be- und entlädt nicht nur die Tiere und begleitet sie vom Hafen bis zu den entlegensten Enden der Insel, sondern er sorgt für Reinlichkeit und Pflege, für Wasser und Futter und für den sauberen Stall am Abend, und auch die Schreibarbeit will erledigt sein.
Auf dem Gebiet der 'chora' sind die Eselstreiber verpflichtet, den Dung ihrer Tiere sofort aufzunehmen und in einem Sack, der hinten am Sattel befestigt ist, zur späteren Entsorgung aufzubewahren. Wer 'donkey shit lane' kennt, wird das begrüßen.
Auf Hydra fällt die enge Beziehung der Eselstreiber zu ihren Tieren ins Auge: sie behandeln sie wie Kollegen, sprechen zu ihnen, singen ihnen leise etwas ins Ohr...
Die Arbeitskommandos reichen von ermutigenden Rufen bis zu tiefen kehligen Lauten. Man kann die Liebe und Verbundenheit der Eselstreiber auch an dem Schmuck der Tiere ablesen: Kunstvoll gewebte Satteldecken, Perlenketten und Amulette sollen nicht nur schön aussehen, sondern das Tier auch vor dem 'bösen Blick' schützen”.


„Wir sollten mitten auf der Hafenpromenade ein Denkmal für die Esel errichten”, betont Iannis abschließend.
„Diese geduldigen, kraftvollen und anmutigen Tiere verdienen unsere Hochachtung: Hydra könnte ohne sie nicht überleben.”




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